2016/01/28

6. MARKUS STRÖHLEIN | Fukushima Boys



















WIE KAM ES ZUM FRAGEBOGEN?
»Brüderchen«, Ex-Mitbewohner, Multiinstrumentalist, Geschmacksamt. Erste Versuchskaninchenwelle vor Freischaltung. Egal, was der Mann musikalisch anfängt, es endet im Sprache auflösenden Vorzeigeexempel. Schönstes Grinsen diesseits der Spree.
PERSON

Name/Wohnort
Markus Ströhlein, B

Ist dies Dein erstes Interview?
Streng genommen nein. Sagen wir: das erste Interview seit 20 Jahren.

Deine aktuellen Bands/Projekte
Fukushima Boys, Muskel. Des weiteren: Chief Chung, Seamount

In welchen Bands hast Du vorher gespielt?
Man kennt sie alle: Buxom Hog, Shockwave, Straight through your head, Spur N, Malm, Love and a 45, The Bodysnatchers, Kint

Wie lange machst Du schon Musik? Wie kam es dazu?
Seit ich 13 bin. Nach dem Erwerb meiner ersten Platte von Iron Maiden wollte ich unbedingt Gitarre spielen. Ich glaube auf der Platte waren Botschaften, die man unbewusst in sich aufnahm, wenn man beim Hören rückwärts durchs Kinderzimmer lief. So funktionieren diese Botschaften.

Welche Instrumente spielst Du? Gelernt oder Autodidakt?
Gitarre, Schlagzeug, Synthesizer. Und Bass, denn wer Gitarre spielt, kann auch Bass spielen. Nur gelernte Basser behaupten das Gegenteil. Ich bin 80% Autodidakt und 10% Musikschüler. Die restlichen 10% bestehen aus Talent und gutem Aussehen.

Dein liebstes Stück im Proberaum?
Das Sofa. Und mein DSI Pro 2.

Würdest Du sagen, dass Du Dich und Deinen Stil gefunden hast?
Ja.

Was würdest Du Deinem 16jährigem Ich mit auf den Weg geben?
„Junge, höre nicht auf Leute, die 24 Jahre älter sind als du.“


ZEIT & GELD

Beruf/Job?
Ja.

Wieviel Zeit bleibt Dir für die Musik? Reicht Dir das?
Nein.

Würdest Du überhaupt hauptberuflich Musiker sein wollen?
Kommt auf die Konditionen an.

Hast Du eine Beziehung oder Familie? Wie wirkt sich das auf die Band aus?
Ich habe Beziehung und Familie. Der Zeitvorrat wird dadurch nicht unbedingt größer.

Wie lange hast Du es zum Proberaum?
30 Minuten.

Was zahlt Ihr für Euren Proberaum?
200 Euro im Monat.

Wie oft in der Woche machst Du Musik?
Probe: im besten Fall zwei Mal. Synthie-Schrauberei, kleine Pad-Trommelei: so gut wie täglich.

Verdienst Du mit der Band Geld? Ist das wichtig?
Die Musik wirft null Euro ab. Das Schöne ist, dass ich mir darum wegen meines regulären Jobs keine Gedanken machen muss.



















BANDAKTIVITÄT

Warum spielst Du in einer Band?
Weil es mich beglückt.

Warum spielst Du Konzerte?
Weil sie mich beglücken und es meistens umsonst Alkohol gibt.

Wie viele Konzerte spielst Du im Jahr? Reicht Dir das?
Zwischen drei und zehn. Es könnten mehr sein. Ordentlich mehr.

Kommst Du zum Touren?
Theoretisch ja. Praktisch stellt sich die Frage: Lohnt sich der Aufwand?

Hast Du schon aufgenommen? Unter welchen Umständen? Welche Formate?
Ja, zum einen ganz klassisch in diversen Studios, zum anderen in Eigenregie. Der Trend geht zum Selbermachen, weil jeder, der ein Laptop hat, sich ordentliche Recording-Software besorgen kann.

Warum nimmst Du auf?
Zum Verbreiten der Musik und für die Erinnerung.

Was ist heute noch von den alten Strukturen wichtig (Label/Booking/Management)?
Kommt immer darauf an, was die alten Strukturen ihren Bands zahlen und was sie tun, um ihre Bands bekannt zu machen.

Nutzt Du davon etwas oder alles DIY?
Bis auf Veröffentlichungen auf Kleinst- und Klitzekleinstlabels von Bekannten läuft alles DIY.

Wie sind die Aufgaben innerhalb der Band verteilt (Booken, Songwriting, Finanzen, etc.)?
Songwriting mache ich zu 80%. Wenn es um Booking und Finanzen geht, sind wir gleich faul.

Verbringt Ihr auch außerhalb des Proberaums Zeit miteinander? Ist das wichtig?
Wenn es sich einrichten lässt.

Was erwartest Du von Bandkollegen?
Musikalischen Enthusiasmus.

Bist Du zufrieden mit dem Output Deiner Band?
Da geht noch einiges nach oben.

Habt Ihr »Fans«? Wie ist Euer Kontakt zum Publikum? Ist das wichtig?
Der Publikumskontakt entsteht bei Konzerten. Natürlich ist es schön, ein direktes Feedback zu kriegen. Warum die Leute allerdings mit uns reden wollen? Keine Ahnung.

Wie stehst Du zur Gema?
Peinlicher Verein.

Würdest Du andere Musik machen wenn Du andere Möglichkeiten hättest (mehr Zeit, mehr Geld, anderes Land oder Stadt etc)?
Ich würde mit mehr Zeit mehr Musik machen. Ich träume seit geraumer Zeit von einer ordentlichen Metal-Band. Kein Fashion-Black-Metal für Kunststudenten.

Was würdest Du Dir und Deiner Band am ehesten wünschen?
Ein liquides Label und eine emsige Booking-Agentur.

Was hast Du in deinen Jahren in Bands gelernt?
Hartnäckig sein.

Tipps und Weisheiten?
Nein, nein. Die Jugendlichen müssen ihre eigenen Erfahrungen machen.


BEST & WORST

B & W Proberaum-Drink
B: Spezi, Club Mate Granatapfel, Absinth. W: Bier.

B & W Konzerterfahrung
B: SO 36 kürzlich, viele Menschen tanzen unaufgefordert zu unserer Musik. Unaufgefordert! W: für ein Konzert nach Amsterdam fahren und dort feststellen, dass der Veranstalter das Konzert vollkommen vergessen hat.

B & W eigene Songs
B & W: zu viele, um sie alle aufzuzählen.

B & W Essen vor einem Gig
B: was Leichtes, Anregendes. W: was Schweres

B & W Publikum
Da steckt man nie so richtig drin. Das Publikum in Polen kann recht ekstatisch sein.

B & W Proberaum
B: Rockhaus (kein Schimmel). W: Teilestraße (Schimmel).


COMMUNITY

Siehst Du Dich als Teil einer Szene/Community? Wenn ja, wie definiert sich das? Ist es Dir wichtig?
Nein. Und nein.

Wie siehst Du die momentane Situation für Bands in Deiner Stadt/ Deinem Land/ der »Community«?
Lässt sich schwer zusammenfassen, weil die Bedingungen je nach Genre schon ganz unterschiedlich sind. Dann kommt es drauf an, was die jeweilige Band überhaupt erreichen möchte. Da hilft also nur die knallharte Einzelfallanalyse.

Gute Bands aus Deinem Umkreis/Community?
Ich bin nach wie vor sehr überzeugt von HURE.

Gute Venues aus Deinem Umkreis/Community?
Aus meiner Nachbarschaft: der one and only Schokoladen. Ein schöner Ort – damals, heute, morgen.

Gute Label aus Deinem Umkreis/Community?
Da fällt mir jetzt nix ein.

Wie wichtig sind für Dich Fanzines, Blogs, lokale Venues?
Da fehlt mir die Zeit, um einzutauchen. Lokale Venues sind aber wichtig, ob mit oder ohne Zeit.


WEB

Wie siehst Du den Einfluss von Internet und sozialen Medien (z. B. Facebook, Bandcamp, etc.) auf »die Musikwelt«?
Wer es schlau anstellt, kann sich bekannt machen. Allerdings sorgt dieser gigantische Aufmerksamkeitsapparat dafür, dass der Fokus schnell wechselt. Wer heute Klicks einsammelt wie irre, kann morgen schon wieder in seiner Nische vergammeln.

Wie aktiv bist Du/seid Ihr »im Netz«?
Ungern.

Was im Web bringt für Bands und Publikum was?
Das Publikum hat es gut. Von Musik über gossip bis zu Konzertterminen ist alles jederzeit zu haben. Der Fan in mir findet das hervorragend. Als Musiker denke ich mir: Warum soll ich eine Stunde im Netz werkeln, wenn ich in der Zeit auch Musik machen kann.



















SMARTIES

Über welche Medien hörst Du Musik?
MP3 killed the vinyl and CD star.

Aktuelle Entdeckungen?
Der neunte Planet!

Das muss mit auf Tour
Ohrenstöpsel gegen schnarchende Bandkollegen, Ibuprofen gegen Katerkopf, was Kurzweiliges zu lesen.

Do & Donts in Bands
Nur ein Don't: Niemals, ich wiederhole: niemals das ganze Catering wegfressen, so dass der Drummer nach dem Gig nichts mehr zu essen kriegt.

Sexiest Erlebnis als Musiker
Ich erröte, wenn ich nur daran denke. Kann ich nicht erzählen. Es hat mit Blumen und Bienen zu tun.

Weitere Leidenschaften neben der Musik
Musik hören. Bücher. Filme. Blumen und Bienen.


FINALE

Hast Du noch Fragen an mich?
Wie schaffst du es nur, dass du immer so gut aussiehst?
e a: Hummeln und Sträucher

Ein Song und ein Video Deiner Band



www.fukushimaboys.bandcamp.com
www.schwanzmuskel.bandcamp.com