2016/01/28

5. CHRISTIAN BOGISCH | 100000 Tonnen Kruppstahl




















WIE KAM ES ZUM FRAGEBOGEN?
Der Mama. Ersatzbruder, Gloriengestalt, Matterhorn, Stadtinstanz. Erste Versuchskaninchenwelle vor Freischaltung. Natürlich. Zusammen mit Herrn Kather  große Hilfe und Beratungsstelle zu Beginn. Wir brauchen mehr wie Ihn. Ihn, den Mama. Mit Prinzenrolle und Isokanne.

PERSON

Name/Wohnort
Christian Bogisch, Berlin

Ist dies Dein erstes Interview?
Nein, ich hab schon einige für meine Bands gegeben.

Deine aktuellen Bands/Projekte
100000 TONNEN KRUPPSTAHL (Grind, Thrash, Noise Rock, Doom), WÄLDER (Songwriting, deutsch), BLACK BAND (Songwriting, englisch), MUSKEL (Disco, Electro) CHRISTOPHER COLOSSUS (Drone, Noise, experimenteller Experten-Rock, englisch) und ein paar halbgaren Dingern

In welchen Bands hast Du vorher gespielt?
UGLY IGLU (No Wave, Noise Rock, Body Grind), KINT (Noise Rock), PLANET, DER AFFE (Noise Rock, Drone), KNÜPPELKORNER (Grindcore, Indie), EINIGE KOLOPEKEN (Indie Rock), KNOBS (Punk) etc.

Wie lange machst Du schon Musik? Wie kam es dazu?
Ich spiel seit 1990 Gitarre. Meine Eltern meldeten mich mit 14 oder 15 zu einem Kurs an, wo ich Lagerfeuer-Gitarre und einige grundlegende Jazzakkorde lernte. Ich brannte aber darauf, RAMONES, TOTE HOSEN, SEX PISTOLS und kurz danach NIRVANA, MELVINS etc. zu covern und hab mir nach einem Jahr, als der Kurs vorbei war, das meiste Weitere selbst beigebracht, rausgehört, wie was geht, nachgespielt und Songs geschrieben.

Welche Instrumente spielst Du? Gelernt oder Autodidakt?
Gitarre sowie als Autodidakt etwas Bass, ein wenig Schlagzeug, Klavier, Banjo, Mandoline, Metallophon, Trompete, Synthie

Dein liebstes Stück im Proberaum?
Zur Zeit spiel ich sehr gerne die Neuen von CHRISTOPHER COLOSSUS und  "Teeth Fletcher", ein ca. 70-minütiges Stück Doom Sludge Drone Rock, das wir mit  KRUPPSTAHL einüben und aufnehmen.

Würdest Du sagen, dass Du Dich und Deinen Stil gefunden hast?
Ja, kann ich so ungefähr sagen, bin in mehreren Stilen zu Hause und von einigen besonders geprägt. Ich bin bei einigem geblieben, was ich schon als Teenie geil fand, und entwickle immer mal wieder Leidenschaften zu anderen, mir neuen Genres und verliere sie wieder. Das rollt immer noch.

Was würdest Du Deinem 16-jährigem Ich mit auf den Weg geben?
Ich würde ihm sagen: "Hier sind ein paar Tipps, die du als Gebote verstehen kannst und sollst. Konzentrier dich aufs Gitarre spielen. Werde dir deiner Träume, Ziele, Wünsche, Überzeugungen und deines Glaubens bewusst. Mach dir dann einen guten, langfristigen, nicht zu starren Plan. Schreib Lieder, nimm und tritt auf. Bleib mutig, liebevoll, offen, freundlich und wütend. Take it easy und geh los! Mögen dich die Kinnhaken und Zitronen des Lebens lehren und stärken. Du brauchst nicht alles alleine zu schaffen. Wenn du Rat und Hilfe brauchst, frag mich oder andere! Wir sind erwachsene Leute und können über alles reden."


ZEIT & GELD

Beruf/Job?
Ich arbeite als Musiker, Gitarrenlehrer, Kajak-Guide, Audio-Editor, Lektor und in der Krankenpflege und noch ehrenamtlich als Zoo-Pädagoge, bin gelernter  Grundschullehrer.

Wieviel Zeit bleibt Dir für die Musik? Reicht Dir das?
Ich verbringe fast täglich ein paar Stunden für und mit Musik und dem Drumrum wie Artwork, Booking, Management. Das ist ganz ok so, will ich aber auch gern als einzigen Job machen. Sollte es sich dahin entwickeln, werde ich aber auch froh sein, auf die Erfahrungen der letzten Jahre und meinen aktuellen Job-Patchwork-Teppich zurückblicken zu können. Der jetzige Mix ist ganz gut.

Würdest Du überhaupt hauptberuflich Musiker sein wollen?
Ja (s.o.)

Hast Du eine Beziehung oder Familie? Wie wirkt sich das auf die Band aus?
Nein, ich hab keine Beziehung. Meine Familie und Verwandten leben in NRW. Da ich für den Garten an meinem Elternhaus verantwortlich bin und das Gärtnern liebe, bringe ich alle paar Monate von dort gut erholt Ideen, frische Luft, Worte, Bilder für Flyer etc. mit. Meine Familie und Wurzeln sind mir sehr wichtig. Ich liebe es, immer wieder dorthin zurückzukommen, und freue mich sehr, dass das möglich ist. Familien- und Bandleben lassen sich bei mir derzeit gut vereinbaren.

Wie lange hast Du es zum Proberaum?
Je nach Jahreszeit radle ich 25 bis 35 Minuten. Ich fahre in Berlin ganzjährig mitm Rad. Das ist am schnellsten, gesündesten und vernünftigsten. Ich fahre aber auch sehr gern Auto und spare auf ein Bandmobil.

Was zahlt Ihr für Euren Proberaum?
Gute Frage! Da muss ich glatt mal nachschlagen. Unsere 191 € Gesamtmiete sind auf sechs Leute unterschiedlich und in sich ändernden Häppchen verteilt. Alle Mitbewohner sind übrigens irgendwie echte Originale und bilden eine besondere Chemie. - Für mehr Freiheit und Flexibilität und einen kürzeren Weg würde ich auch mehr zahlen, mal wieder umziehen oder mir ein extra Studio irgendwo mieten... (blätter, blätter, klick, klick) Also mein Mietanteil beträgt 61,43 €. 

Wie oft in der Woche machst Du Musik?
Täglich etwa eine Stunde oder mehr.

Verdienst Du mit der Band Geld? Ist das wichtig?
Mitm KRUPPSTAHL verdienen wir ein bisschen was, mittelfristig kommen wir aber auf plus minus Null raus, da wir wie jedes gesunde Unternehmen Gewinne in Releases, Merch etc. reinvestieren. Wie lange dieser Drahtseilakt gutgeht, weiß der Himmel. Ich werde mal ausprobieren, wie gut ich solo und mit einer oder einigen anderen Bands Geld verdienen und so meinen Band-Zirkus am Laufen halten kann. Das reizt mich sehr und betrachte ich als eine Aufgabe und einen Weg für die nächsten Jahr(zehnt)e. Kommt ein Krieg oder irgendne andere schwere Krise dazwischen, lerne ich evtl. erst mal Selbstversorgung. Oh, ich schwoff ab. Also ja, per Band Geld zu verdienen ist relativ wichtig und spannend. 





















BANDAKTIVITÄT

Warum spielst Du in einer Band?
Ich liebe das schon immer, also seit Teenager-Tagen. It's a band's world. Es gibt für mich kaum was Besseres. Ich habe nicht viel gefunden, was mich so erfüllt, wo ich mich so sehr am richtigen Platz fühle, kaum was Schöneres, Stärkeres, Heftigeres. Zum Musizieren in einer Band gehört nach meinem Verständnis, Lieder zu schreiben und aufzunehmen, aufzutreten, mit Freunden zu musizieren, sich auseinanderzusetzen, einen Weg gemeinsam zu gehen. Der Energieaustausch und die Spannung bei Konzerten, die Euphorie und manchmal Enttäuschung, die offenen und zuen Türen dabei - das ist alles super. Bandleben ist total vielfältig. Da brauch ich kaum was anderes. Das macht mich sehr glücklich. Noch besser wäre es, wenn da Tiere bei wären, aber Musik von/mit/für Tiere geht gar nicht, so weit ich das aus eigenem Nachdenken, Ausprobieren und Erfahren beurteilen kann. Ich bin totaler Naturfreund und Waldmensch. Dafür nehm ich mir auch Zeit, will hier aber nicht schon wieder abschweifen.

Warum spielst Du Konzerte?
Weil ich das liebe - und den besagtem Energieaustausch dabei. Da gehen Positives und Negatives hin und her. Manchmal verlier und finde ich mich dabei komplett im Sound, der Situation, der Verbindung mit anderen und den Klängen. Manchmal gehen Frust und Wut raus, manchmal ists nur schwitzen, schreien, beben und Dampf ablassen, manchmal mehr was für den Kopf im Sinne von Geist und Intellekt. Manchmal ists einfach ein gelungenes Statement, eine runde Aussage, ein schlüssiges Werk, eine treffende Positionierung oder einfach eine Feier.

Wie viele Konzerte spielst Du im Jahr? Reicht Dir das?
In den letzten Jahren schwankte das. 2013 und 2014 ist der KRUPPSTAHL öfter aufgetreten als 2015. Ich will öfter auftreten und touren - sowohl mit Bands wie dem KRUPPSTAHL als auch solo. Das ist schon so, seit ich 15 bin. Ich bin noch nie von einem Konzert oder einer kürzeren (Wochenend-)Tour oder längeren (Wochen-)Tour zurückgekommen und hab mir gesagt: "Boah, jetzt reichts mir aber erst mal und ich ruh mich lieber aus." Es ist hinterher immer eher so ein Blut-geleckt-Gefühl.

Kommst Du zum Touren?
Ja, z.B. tourt im März KRUPPSTAHL mit SLEDGE, einer jungen, finnischen Thrash-Metal-Band, in Deutschland. Im Mai touren wir dann bei denen. Diese superne Austausch-Idee wuchs auf dem Mist vom strengen Protein-Rolf, einem guten Freund und Sänger der Hamburger HC-Punk-Band THRASHING PUMPGUNS, eine Spitzen-Live-Band, die wiederum auch in Finnland mittourt. Es geht gar nach Estland - für uns Kruppis unendliche Weiten und schwer vorstellbar. Das wird vermutlich ein irrer Ritt.

In den Herbstferien und übern Tag der Deutschen Einheit will ich auch auf Tour - evtl. mit WÄLDER oder BLACK BAND. So was muss ich wegen meines Gitarrenunterrichts immer möglichst für die schulfreien Zeiten anpeilen.

Hast Du schon aufgenommen? Unter welchen Umständen? Welche Formate?
Ja, ich hab schon mit diversen Bands und Solo in Studios, Proberäumen und live aufgenommen und die Musik auf Kassetten, CDs und Vinyl veröffentlicht. Ich mag die Vinyl-Formate und ihren Klang sehr. Meine bisherigen VÖs - eine 7-Inch mit KINT und eine LP mit KRUPPSTAHL - sind mir noch viel zu wenig. Da die Vinyl-Herstellung am teuersten ist, fragen wir / frage ich ab und an Labels, ob sie ne Platte von/mit uns rausbringen. Kam noch nix bei rum. Ein Release auf CD ist dafür billiger  und der Sound eher so, wie wir ihn im Studio auf dem Master zusammengeschustert und zurechtgeschnitzt haben.

Warum nimmst Du auf?
Ich liebe es, eigene Musik auf einem Tonträger festzuhalten und mit den dabei entstehenden Möglichkeiten für Fans rauszubringen und weiterzugeben. Mich reizt auch der Unterschied zwischen eigener Live- und Konservenmusik - ebenso wie der musikalische Austausch übers Internet mit Freunden und verständigen Leuten in aller Welt. Ich find z.B. Bandcamp toll und nutze das gern. Da kann man leicht Seltsames, Eigenartiges und allerhand Gutes veröffentlichen und finden. Neulich schrieb mir irgend so ein dreckiger, äh netter Jugo zum letzten Album von CHRISTOPHER COLOSSUS kritisch, ich solle erst mal Drones hören, und er fragte, ob mir das Genre denn so gar nix sage. 

Was ist heute noch von den alten Strukturen wichtig (Label/Booking/Management)?
Große Labels, Agenturen und Medien wollten bislang noch nix mit meiner Musik zu tun haben. Ich habe mich ihnen gegenüber aber evtl. auch zu schüchtern oder zu redlich verhalten. Kleine Labels sind mir wichtig und ich arbeite gerne mit ihnen zusammen. Meine besten Erfahrungen habe ich dabei mit Raddatz Records und unundeux Rec. gemacht. Das sind Spitzenleute.

Nutzt Du davon etwas oder alles DIY?
Ja, derzeit nutzen sich z.B. unundeux, Rad. Rec. und KRUPPSTAHL gegenseitig. Janos von Rad. Rec. trommelt bei KRUPPSTAHL. Mit unundeux-Drahtzieher Christof rocke und produziere ich auch manchmal via Netz. Ist da mal ne Platte fertig, sag ich bescheid. 

Ja, das meiste mache ich DIY. Find ich auch gut so, ginge aber sicher auch anders. Manchaml überlege ich, Solo-Kram auf einem eigenen Label zu veröffentlichen - meistens, wenn mir ein guter Name wie "Senk Dein Haupt Records" einfällt. Schön abseits von allem.

Wie sind die Aufgaben innerhalb der Band verteilt (Booken, Songwriting, Finanzen, etc.)?
Bei den Solo-Sachen mach ich fast alles allein, wie der Name schon andeutet, bis aufs Aufnehmen, Mischen und Mastern. Beim KRUPPSTAHL haben sich unausgesprochen und automatisch ein paar Spezialisierungen ergeben. Janos bastelt mehr fürs Artwork, ich mehr an den Songs. Ich kümmere mich um die Finanzen und mehr um Bandmobile und ich fahre doppelt so weit zum Proberaum. Ich glaub, ich booke auch mehr.

Wir können beide ganz gut sabbeln. Janos ist dabei der noch bessere Schnackerer. Wie wichtig das fürs Management ist, weiß man spätestens seit der Strunkschen Tingelbeichte "Fleisch ist mein Gemüse".

Verbringt Ihr auch außerhalb des Proberaums Zeit miteinander? Ist das wichtig?
Ja, wir gehen z.B. gerne auf Konzerte oder raus auf ein Bier oder gucken uns bei Grillgut die Leute in Kreuzberg an. Leider kam das wegen Winter, Reisen, Krankheit, Arbeit zuletzt zu kurz. Aber es gibt z.B. auch immer ne Liste von Filmen, die wir zusammen gucken wollen. Die müssen wir uns mal wieder vorknöpfen. Ich finde so was wichtig, und dass man mit den andern in der Band befreundet ist oder zumindest ein loses, gutes Verhältnis hat - einen lecker duftenden Dunstkreis.

Was erwartest Du von Bandkollegen?
Ich erwarte punische Treue - nein, Quatsch. Wichtig sind vor allem Musikalität und ein möglichst ähnliches musikalisches Verständnis, möglichst ähnliche Musikgeschmäcker und zumindest essentielle Überschneidungen unserer Musikvorlieben. Man muss ähnliche oder gleiche ästhetische Visionen, Haltungen und Motivationen haben, möglichst gleich viel Bock auf den richtigen, einem passendem Lärm.

Außerdem sind wichtig: Klarheit, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, An- und Verstand und dessen Benutzung, Zusammenhalt, Pläne schmieden und überarbeiten, groß träumen und denken, weitermachen; aufhören können, wenn die Perspektiven nicht mehr allen passen und jemand wegen der Band gar unglücklich oder krank wird.

Darüber hinaus gibts in jeder Band Spezialvereinbarungen, Zusatzverträge und Kleingedrucktes z.B. zu Zielen, Veröffentlichungen und Häufigkeit von Proben und Konzerten.

Schon Einstein wusste, dass man vor allem ein Schaf sein muss, um Teil einer Schafherde sein zu können. So muss man in einer Rockband vor allem mit seinem Instrument und überhaupt rocken. Was das bedeutet, wäre aber die Antwort zu einer anderen, spezielleren Frage.

Bist Du zufrieden mit dem Output Deiner Band?
Ja, einigermaßen. Mehr wäre besser - vor allem für die Solo-Geschichten. Aber das kommt schon noch.

Habt Ihr »Fans«? Wie ist Euer Kontakt zum Publikum? Ist das wichtig?
Ja, und das ist gut und sehr wichtig. Ich glaube, fast jede Band, die mal aufgetreten ist, hat mindestens einen Fan. Wir reden, scherzen, mailen manchmal mit dem Publikum oder kommunizieren anders. Ich liebe diesen Austausch und die kleinen Wellen. Auch wenn einem da Ablehnung und Ignoranz entgegenschlägt, ist das (fast) immer besser als nichts und Einsamkeit.

Wie stehst Du zur Gema?
Ich bin noch kein Mitglied, war und bin auch noch nie in einer Band gewesen, die GEMA-Mitglied ist. Vermutlich sind weder mir noch der GEMA dadurch bisher Verluste entstanden und ich trete einfach mal da ein, um zu sehen, wie das ist und wer da was kriegt. Vielleicht wird man als Berliner ja zu Platin-Platten-Parties anderer hiesiger Vereinsmitglieder eingeladen oder so. Ist das überhaupt ein Verein? Jedenfalls danke, dass Du mich indirekt auf die Idee brachtest!

Würdest Du andere Musik machen, wenn Du andere Möglichkeiten hättest (mehr Zeit, mehr Geld, anderes Land oder Stadt etc.)?
Vor einem Jahr habe ich meinen alten Freund Sonny eine Weile in Nevada besucht, mir flugs eine billige Westerngitarre gekauft und sofort fast automatisch Cowboy-Gitarre gespielt. Das hat mich schon sehr verblüfft, wie empfänglich ich für die Vibes einer Gegend sein kann, und so eine Steinwüste wirkt sich schon mächtig auf die Stimmung aus. Das liebe ich auch alles - Wüste, Sonny, stark stimmungsbeeinflussende Landschaften. Konkrete Wünsche hab ich dazu aber nicht - außer: Ich will in einer professionellen, gern etwas metalligen Noise-Rock-Band Gitarre spielen und singen und ihr gerne den nötigen Vorrang einräumen - mit so Nährboden aus AmRep, Relapse, MELVINS, TODAY IS THE DAY, HIGH ON FIRE, SUNNO))), KHANATE... Meldet Euch, wenn ihr auch Bock habt.

Was würdest Du Dir und Deiner Band am ehesten wünschen?
Mehr Platten veröffentlichen, mehr Konzerte und Touren spielen und mit Leuten leben, die uns gern dabei helfen. 

Was hast Du in deinen Jahren in Bands gelernt?
Sehr, sehr viel sehr, sehr Wichtiges. Vieles davon behalte ich besser als wertvolles Geheimwissen und Business-Vorsprung für mich, mit anderem könnte ich locker alljährlich ein kleines Aphorismen-Bändchen oder einen Harenberg-Kalender füllen z.B. "Take it easy".

Oft und möglichst immer muss man in Bands nicht nur bei der Musik sehr geduldig, genau und ernsthaft zuhören, auf Rhythmen und Tempi von Musik und Menschen hören und sich möglichst klar mitteilen. Auch ist es sehr wichtig, Pausen genau zuzuhören und von dem meisten mindestens einen zweiten Take zu machen, auch auf Mitmusiker bezogen. Man sollte den Leuten mindestens eine zweite Chance geben. Wie schon Hemingway sagte: "Der erste Entwurf von allem ist immer scheiße."

Tipps und Weisheiten?
Hab hier schon genug große Geister zitiert und Wörter zum Sonntag von mir gegeben - lustigerweise auch genau zu der Zeit, wo das immer in der ARD kommt oder zumindest kam. Gibts das immer noch? Ich guck seit Jahren kein TV mehr. Das empfehle ich jedem.


BEST & WORST

B & W Proberaum-Drink
B - Wasser, grüner Tee, mal löslicher Kaffee, mal Schnaps, selten Bier
W - Mariacron, reiner Sprit

B & W Konzerterfahrung
B - Schwierig, ein Top-Ereignis herauszustellen! UGLY IGLU auf dem Sommerfest im Trillke-Gut war phänomenal... der tobende Mob bei KRUPPSTAHL auf der Fusion 2015 war auch ne Wucht... ebenso hammermäßig wars bei den wahnsinnigen Apfelbauern in Werneuchen sowie tief, tief in einer Sommernacht tief, tief in der Lausitz, wo KRUPPSTAHL eine Art Aftershow gestalten durfte und dazu auf einer kleinen Minibühne spielen musste - ein emsiger Licht-Show-Azubi, ein Pulk ausflippender Punks, die im duftenden, kniehohen Gras direkt vor, an uns pogten... Liegt das wieder mal an dem Naturburschen in mir oder sind die Konzerte aufm Land echt immer die größeren!?
W - zum Glück vergessen; oft dreht die Erinnerung ja Scheiß-Erfahrungen in amüsante, z.B. die blutige Lippe auf eben jenem Fusion-Gig

B & W eigene Songs
B - Mir gefallen sehr: Fackeln, Schwarze Borsten (beide KRUPPSTAHL), Feuerball (WÄLDER), To be Hit (KINT), Blinder mitm Krückstock, Panzerpferd de Paris (UGLY IGLU)
W - An die Rohrkrepierer denk ich lieber nicht mehr.

B & W Essen vor einem Gig
B - Supamolly in Berlin, immer ein weihnachtstaugliches Festessen
W - Alge in Oschersleben, weil der Hund neben den Tisch kotzte und das keinen kümmerte, und Magdeburg, aber auch wegen der Dienstunterbringung hinterher. Mehr Punk geht nimmer.

B & W Publikum
B - Mehrmals in Berlin im Schokoladen und Supamolly; Fusion (s.o.)
W - Spontan hätte ich gesagt, das schlechteste Publikum ist immer da, wo ich mehr Beton anstarre als Menschen, aber das ist ja wiederum stets eine gute Gelegenheit, die Leute mit den Augen zu suchen und sich an ihnen festzuheften, wie sie da so halb versteckt, halb starr - das wird jetzt hier zu duster.

B & W Proberaum
B - a) Hauptstr. in der ehemaligen Wäscherei, in der DDR-Polit-Häftlinge zwangsgearbeitet hatten, und nun zum Glück der sympathische Herr Hauke, die coole Sau, alles gut verwaltet; b) die Pfarre 
W - a) der wahnsinnige, schizophrene, multiple Proberaumvermieter Herr Schulz; diese Typen sind zwar fast alle vollkommen korrupt, aber Schulz schlägt allen Fässern die Böden aus; b) KINT versucht zu Beginn der Heizperiode den Heizkörper in der Pfarre selbstständig zu entlüften - große, große Überschwemmung, aber zehn Jahre später auch wieder lustig.


COMMUNITY

Siehst Du Dich als Teil einer Szene/Community? Wenn ja, wie definiert sich das? Ist es Dir wichtig?
Wahrscheinlich bin ich Teil einer offenen, musikalisch vielfältigen Szene/Community. Ich glaub, das wird darüber definiert, dass ich immer wieder mal ähnlich oder gleich gesinnte Leute auf Konzerten etc. treffe, die einen ähnlichen Musikgeschmack, Humor, ähnliche Leidenschaften, Musik-Methoden und -Gelüste haben. Bei mir hat das meist mit Gitarrenmusik zu tun. Da fühl ich mich oft verstanden und angenommen. Stellt sich so eine Verbundenheit ein, ist das immer gut.

Wie siehst Du die momentane Situation für Bands in Deiner Stadt/ Deinem Land/ der »Community«?
In Berlin gibts immer wieder super Konzerte und aufregende Bands. Das geht so weiter, glaub ich, weil das viele wollen. Es bleibt wichtig, dass sich Leute übers Netz und in echt begegnen. Manche Orte und Leute, Freunde, Bekannte sind dabei so ne Art Maskottchen, Zuhauses oder zentrale Schaltstellen, wo wir uns immer mal wieder treffen.

Gute Bands aus Deinem Umkreis/Community?
Hier einfach alphabetisch aus Berlin und von anderswo: AMIGO TROPICAL, ANTIHAIRBALL, ARABROT, BALG, BULBUL, CLARKY'S BACON, CROWSKIN, DON VITO, DOPERUNNER, DÜKER, FUKUSHIMA BOYS, GELT ET NELT, GRANT NATIONAL, HELLROOM PROJECTORS, HERMANN, HIROSHIVA, HURE, JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE, JEALOUSY MOUNTAIN DUO, JIMMY PISTOLE, KANNIBAL KRACH, MALM, MAUD, NECROMORPH, NICOFFEINE, POWERPISSED, P.U.T., PSYCHOFAGIST, RATO RARO, REACTORY, REFLECTOR, SICKEATER, SLEDGE, THRASHING PUMPGUNS, UMOR, YACOEPSAE

Gute Venues aus Deinem Umkreis/Community?
In Berlin: Trickster, Supamolly, Schokoladen, Kastanie, SO 36, Tiefgrund, Cassiopeia, Festsaal Kreuzberg (leider abgebrannt), Tommy-Weisbecker-Haus; in Deutschland: Cafe Wagner und Kassablanca in Jena, Spartacus und Archiv in Potsdam, Paulskirchenkeller und Dr. K in Schwerin, Jaz in Rostock, Bambi Galore in Hamburg, Friese in Bremen, W71 in Weikersheim, AJZ Bahndamm in Wermelskirchen, Cafe Exzess in Frankfurt uvm.

Gute Label aus Deinem Umkreis/Community?
Raddatz Records, unundeux, bluNoise, Amphetamine Reptile, Southern Lord, Three One G, Skingraft, Troubleman Unlimited, Tumult, Hydrahead uvm.

Wie wichtig sind für Dich Fanzines, Blogs, lokale Venues?
Da kenn ich kaum was, mag ich aber meist, wenn sich die Wege kreuzen, und es ist mir mittelwichtig. Super sind z.B. Metalhead Kuno und sein freies Radio Blau aus Leipzig. Zwar wieder eine Abschweifung, aber: Gutes, freies Radio ist auch wichtig.


WEB

Wie siehst Du den Einfluss von Internet und sozialen Medien (z. B. Facebook, Bandcamp, etc.) auf »die Musikwelt«?
Er ist sehr sehr groß und ich sehe ihn eher positiv. Viele, teils sehr gute Musik kann ich z.B. nur durch Bandcamp oder youtube hören und kennenlernen und eigene dort sehr leicht verbreiten. Man muss nicht mehr wie zu Zeiten des großen John Peels vorm Radio hocken und hoffen, dass er etwas spielt, was einem die Gewissheit gibt, dass man mit seinem perversen Teenagergeschmack nicht total komplett allein und einsam auf der Welt ist.  

Wie aktiv bist Du/seid Ihr »im Netz«?
Ich nutze das fast täglich mehr oder weniger für Booking und Plauderei mit Musik(er)-Freunden und freu mich drüber.

Was im Web bringt für Bands und Publikum was?
Fans und Publikümmer können sich übers Web herrlich leicht über alte, neue, jegliche Musik, Konzertpläne, Interviews etc. informieren, Songs hören, Konzerte gucken und zum Erleben wirklicher Konzerte die Tourpläne, Clubkalender checken - alles einfach super. Bands haben die Aufgabe, das richtig zu nutzen und müssen zusehen (also arbeiten), auf dass sie anständiges Geld für ihr Werk, ihre Gaben und Begabungen bekommen - eine Win-Win-Dynastie, äh -Situation.





















SMARTIES

Über welche Medien hörst Du Musik?
Über Luftmoleküle, die von Lautsprechern in rasche Bewegung versetzt werden und meine Trommelfelle erreichen. Diese Molekülbewegungsmuster sind bei mir auf Vinyl, CDs, Tapes, als mp3s auf PC und ipod aufgezeichnet und kommen mir auch manchmal gestreamt über youtube, Spotify u.a. ins Haus.

Aktuelle Entdeckungen?
ELU OF THE NINE und MONUMENT OF URNS - beides sehr langsames Drone-Zeug - und mal wieder OSCAR PETERSON mit seinem Tüdel-düdel-Klavier, außerdem schöne, lange Akkorde und Riffs für CHRISTOPHER COLOSSUS

Das muss mit auf Tour
Schokolade, Kekse, Thermoskanne (Becher nicht vergessen!), Tupperdose mit Stullen, Obst, Wasser, Flachmann mit Whiskey, paar Kassetten oder ipod mit der üblichen Mischung inkl. gute Hörbücher mit Kinder- und Erwachsenenkram, Geschichten, Natur- und Geisteswissenschaftlichem, bei entsprechender Witterung Badehose, Frisbee, Ball, Taschenmesser, was zu schreiben, ADAC-Straßenatlas, evtl. Saft und ein Buch

Do & Donts in Bands
Do: Liebe, Hingabe, Demut, Humor, Rück-, Nachsicht und Power, gute Musik erkennen, schreiben, spielen
Donts: It's too loud and I'm too old.

Sexiest Erlebnis als Musiker
Chodov (CZ), Hildesheim, Berlin

Weitere Leidenschaften neben der Musik
Tiere, Bäume, Pflanzen, Gärtnern, Natur und Wildnis, Paddeln und Schwimmen 


FINALE

Hast Du noch Fragen an mich?
Wie wärs mal wieder mit etwas Musik?
e a: Wir beide? Unbedingt. Noch dieses Jahr, nach dem Umzug.

Welche sind Deine Lieblingsbands?
e a: Schwimmen, Reiten und Fahrradfahren. Diese Frage habe ich bewusst nicht in den Bogen mit aufgenommen. Wie soll man die ernsthaft beantworten?
Wichtig für Entwicklung, Bildung, KursgebungKodex und noch heute Maßstab und Meridian: THE FLYING LUTTENBACHERS, MELVINS, LADDIO BOLOCKO, LOVE 666, MELT BANANA, MIDGET, U.S. MAPLE, CECIL TAYLOR, DAZZLING KILLMEN, CASH, STORM AND STRESS, LOW, SHELLAC OF NORTH AMERICA, das ganze Bluegrass/Ur-Blues-Zeug.
Später dazugekommen: SCOTT WALKER, MC5, STOOGES, JEALOUSY MOUNTAIN DUO, ANTIHAIRBALL, BASTRO, JUNE OF 44, LAST OF THE JUANITAS, HELLA, SHIPPING NEWS, IANNIS XENAKIS, SLEAFORD MODS, YOWIE, THE LOCUST, ORTHRELM, etc. pp.
Darum darf diese Frage nicht gestellt werden – Fass ohne Boden. Und immer das miese Gefühl währenddessen und danach, etwas Wichtiges vergessen zu haben.

Was beeinflusst und inspiriert Dich beim Musizieren?
e a: Mein Mitmusiker. Oder mal das Set-Up verändern. Ein Tom wegnehmen oder dazuzupacken. Ansonsten einfach den Hocker höher- oder tieferstellen. Schon sieht alles ganz anders aus und fühlt sich anders an. Bei Improvisation oder Live zudem Raum und Publikum.

Wieso wurden diese Fragen hier nicht gestellt?
e a: s. o. und, ich denke drüber nach. Die Inspirationsfrage ist gut.

Hast Du diese Interviewfragen auch schon für Dich selbst beantwortet?
e a: Ich denke dass viele der Fragen vielen von uns schon seit Jahren durch den Kopf geistern. So entstand die Idee zum Blog. Ich hab´s noch nicht gemacht – wer weiß was da alles hochkommt ... zum Jubiläum mache ich den 50sten Bogen, ok?

Wenn ja, kann ich die Antworten bitte lesen?
e a: Ich werde sie Dir zur Korrektur schicken dann hast Du sie vor allen anderen.

Willst Du nicht mal Gruppeninterviews zu diesen und ähnlichen Fragen machen, so dass das ganze eine gute Gesprächsform gewinnt und ins Radio kommt oder als podcast erscheint?
e a: Netflix fragt schon aber ich finde wenn dann gehört das Sonntag abends in den Deutschlandfunk.


Ein Song und ein Video Deiner Band (Link)




www.100000tonnenkruppstahl.de
www.black-band.de
www.schwanzmuskel.bandcamp.com