2016/01/28

4. CLAUS-PETER HÄMISCH | Beehoover


























WIE KAM ES ZUM FRAGEBOGEN?
Ungefragte aber willkommene Weitergabe des Bogens von Herrn Kather an Claus. Erste Versuchskaninchenwelle vor Freischaltung. Präzise, exakte Antworten. Deutsche Ingenieurarbeit.

PERSON

Name/Wohnort
Claus

Ist dies Dein erstes Interview?
Nein

Deine aktuellen Bands/Projekte
BEEHOOVER

In welchen Bands hast Du vorher gespielt?
Lokalbands

Wie lange machst Du schon Musik? Wie kam es dazu?
Seit 23 Jahren. Musiker und speziell Schlagzeuger haben mich schon immer fasziniert,  aber ich habe erst mit 16 begonnen, Musik zu machen.

Welche Instrumente spielst Du? Gelernt oder Autodidakt?
Schlagzeug, beides.

Dein liebstes Stück im Proberaum?
Habe ich nicht.

Würdest Du sagen, dass Du Dich und Deinen Stil gefunden hast?
Ein bisschen schon, aber ich bin weit davon entfernt, so spielen zu können, wie ich es gerne können würde.

Was würdest Du Deinem 16jährigem Ich mit auf den Weg geben?
Soviel Zeit wie möglich am Instrument verbringen, systematisch und täglich üben, alles über das Instrument lernen, verschiedene Ansichten aufsaugen, Unterricht nehmen, so viel Musik machen wie möglich, die Musik respektieren und ernst nehmen, selbstkritisch sein.


ZEIT & GELD

Beruf/Job?
Ingenieur.

Wieviel Zeit bleibt Dir für die Musik? Reicht Dir das?
Täglich üben auf dem Practice Pad. Ansonsten unregelmäßig einige Stunden pro Woche am E-Schlagzeug. Schön wäre ein regelmäßiger, täglicher Übungsrhythmus.

Würdest Du überhaupt hauptberuflich Musiker sein wollen?
Vielleicht nicht zu hundert Prozent, aber ich könnte mir schon gut vorstellen, einen Teil meines Einkommens mit der Musik zu bestreiten.

Hast Du eine Beziehung oder Familie? Wie wirkt sich das auf die Band aus?
Familie. Die Zeit für die Band ist begrenzt und muss geplant und effizient genutzt werden.

Wie lange hast Du es zum Proberaum?
Mehrere hundert Kilometer.

Was zahlt Ihr für Euren Proberaum?
120,- / Monat, wir teilen uns den Raum aber mit zwei anderen Bands.

Wie oft in der Woche machst Du Musik?
Musik mache ich nur dann, wenn wir proben oder Konzerte spielen. Wenn wir an einer Platte arbeiten, ist das etwa vier Tage pro Monat, ansonsten auch mal monatelang gar nicht.

Verdienst Du mit der Band Geld? Ist das wichtig?
Wir haben immer eine positiv gefüllte Bandkasse, aus der wir ab und zu auch für Verwendungen außerhalb der Band etwas entnehmen können. Es bleibt aber nichts übrig, alles wird komplett in Merch, Produktion, Zugfahrten, Mietwagen etc. reinvestiert. Es wäre schön, wenn so viel hängenbleiben würde, dass man davon die die Proberaummiete bestreiten und sich monatlich eine gewisse Summe ausbezahlen könnte.
























BANDAKTIVITÄT

Warum spielst Du in einer Band?
Jeder hat unterschiedliche Wege, sich auszudrücken. Musik ist für mich eine Art der Kommunikation, die ich sehr attraktiv finde. Ob man sie alleine oder mit anderen macht, immer erzählt man beim Musizieren etwas. Ich möchte mich mit anderen musikalisch unterhalten. Ich mag es, mit meinem Instrument auf andere einzugehen und die Musik durch mein Spiel zu gestalten und eigene Stücke zu erschaffen.

Warum spielst Du Konzerte?
Eine positive Rückmeldung durch das Publikum ist mit nichts vergleichbar und eine große Selbstbestätigung. Ich kann mir nur schlecht vorstellen, eigene Musik zu machen und diese dann nicht aufzuführen.

Wie viele Konzerte spielst Du im Jahr? Reicht Dir das?
Ca. 25. Mehr wären schön.

Kommst Du zum Touren?
Etwa ein Mal im Jahr eine 10-Tage-Tour, ansonsten spielen wir oft mehrere Konzerte hintereinander an verlängerten Wochenenden.

Hast Du schon aufgenommen? Unter welchen Umständen? Welche Formate?
In gemieteten Räumen, im Proberaum, im Studio. Demos, EPs, CDs.

Warum nimmst Du auf?
Es ist Teil des kreativen Prozesses: Musik machen, aufführen, aufnehmen.  Es ist befriedigend, selbstbestätigend und macht Spaß. CDs sind nötig, um irgendwie präsent zu sein und sich zu repräsentieren.

Was ist heute noch von den alten Strukturen wichtig (Label/Booking/Management)?
Das hängt von den eigenen Aktivitäten, den Zielen und vielleicht auch vom Genre ab. Vornehmlich geht es immer um Kontakte und die Erregung von Aufmerksamkeit. Ein Label und ein Vertrieb generieren eine professionelle Außenwirkung, bieten eventuell gute Kontakte und erleichtern vielleicht die Kontaktaufnahme zu anderen. Ein Arbeiten an der Basis, sprich: Konzerte spielen und sich präsentieren, ersetzt das aber nicht.

Nutzt Du davon etwas oder alles DIY?
Wir sind auf einem Label mit Vertrieb und nutzen eine Booking-Agentur. Den Rest machen wir selbst.

Wie sind die Aufgaben innerhalb der Band verteilt (Booken, Songwriting, Finanzen, etc.)?
Jeder macht alles entsprechend der eigenen Möglichkeiten. Zum Beispiel schreiben  beide Texte und machen Booking, Artwork und Tontechnik sind getrennt.

Verbringt Ihr auch außerhalb des Proberaums Zeit miteinander? Ist das wichtig?
Auf Tour, im Studio und wenn wir mehrere Tage am Stück proben. Außerdem sind wir täglich in Kontakt.

Was erwartest Du von Bandkollegen?
Dass sie musikalisch die gleichen Ziele haben, zu 100% hinter der Band stehen und dafür auch in anderen Bereichen zurückstecken.

Bist Du zufrieden mit dem Output Deiner Band?
Ja.

Habt Ihr »Fans«? Wie ist Euer Kontakt zum Publikum? Ist das wichtig?
Wir haben Fans. Die Kontakte ergeben sich über Emails, Facebook etc. oder persönlich bei Konzerten. Die Kontakte sind uns sehr wichtig und wir pflegen sie.

Wie stehst Du zur Gema?
Ambivalent. Natürlich müssen dem Urheber Tantiemen zufließen, ob eine gerechte Verteilung beim momentanen System erfolgt, ist fraglich.

Würdest Du andere Musik machen, wenn Du andere Möglichkeiten hättest (mehr Zeit, mehr Geld, anderes Land oder Stadt etc.)?
In meiner Band kann ich genau die Musik machen, die ich machen möchte. Hätte ich mehr Zeit, würde ich gerne noch andere Projekte verfolgen.

Was würdest Du Dir und Deiner Band am ehesten wünschen?
Mehr Aufmerksamkeit und mehr Kontakte, die uns weiterbringen.

Was hast Du in deinen Jahren in Bands gelernt?
Zurückstecken, improvisieren und sich auch mit widrigen Umständen arrangieren zu können, immer 100% geben, kein Arschloch sein.

Tipps und Weisheiten?
– Die eigene Musik beim Proben aufnehmen und kritisch anhören. Immer versuchen, aus Sicht des Publikums zu hören, nicht aus Sicht des Musikers.

– Authentisch sein und einen eigenen Stil entwickeln.

– Live keine Experimente eingehen (außer sie sind Bestandteil der Show), sondern eine fette Performance liefern, die das Publikum mitreißt.

– Sich so präsentieren, dass anderen (Musikern, Veranstaltern, Tontechnikern etc.) die Band in guter Erinnerung bleibt.

– Siehe „Was hast Du in deinen Jahren in Bands gelernt?“


BEST & WORST

B & W Proberaum-Drink
B: Wasser, Bier
W: zu viel Bier

B & W Konzerterfahrung
B: Festival vor 1500 Leuten, ausverkaufter Club, extrem steil gehendes Publikum
W: großes Venue, kleines, desinteressiertes Publikum

B & W eigene Songs
B: alle
W: keine

B & W Essen vor einem Gig
B: Grundsätzlich esse ich eher hinterher, manchmal wird aber richtig festlich aufgetafelt, da sagt man auch nicht Nein. Aber ein zu voller Bauch macht eher träge.
W: Mehrere Portionen Schweinebraten und Schokopudding sind sicherlich nicht ganz so geil.

B & W Publikum
B: Crowdsurfing, Headbangen, Tanzen, Mitsingen
W: teilnahmslos, kein Applaus, gehen raus

B & W Proberaum
B: Unser momentaner ist ganz gut; warm, 24h nutzbar, relativ geräumig.
W: Ehemaliger Bunker, feucht, schimmlig, lebensgefährlich.


COMMUNITY

Siehst Du Dich als Teil einer Szene/Community? Wenn ja, wie definiert sich das? Ist es Dir wichtig?
Oft werden wir dem Stonerrock zugeordnet, sehen uns da aber selbst gar nicht so. Am ehesten würde echt Underground passen.

Wie siehst Du die momentane Situation für Bands in Deiner Stadt/ Deinem Land/ der »Community«?
Proberäume sind generell immer ein Problem. In unserem Genre muss man viel investieren, um wenig zu bekommen. Teilweise muss man sich mit minimalsten Gagen abfinden. Passt man nicht so recht in ein Genre, so findet man zwar treue Fans, aber für größere Festivals, Labels, Agenturen etc. ist man nur schwer vermittelbar.

Gute Bands aus Deinem Umkreis/Community?
Als Anspieltipp kann ich Earls of Mars geben.

Gute Venues aus Deinem Umkreis/Community?
Wir sind nicht lokal festgelegt, von daher kann ich keine Empfehlung geben.

Gute Label aus Deinem Umkreis/Community?
z. B. Unundeux, Pelagic, Noisolution.

Wie wichtig sind für Dich Fanzines, Blogs, lokale Venues?
Alles, was irgendwie den Bandnamen nach außen trägt, kann hilfreich sein.


WEB

Wie siehst Du den Einfluss von Internet und sozialen Medien (z. B. Facebook, Bandcamp, etc.) auf »die Musikwelt«?
Durch Facebook ist es sehr einfach, Kontakte zu knüpfen. Man muss keine Tonträger mehr rumschicken, ein Bandcamp-Link genügt. Dadurch wird es einfacher, als Band ohne Bookingagentur Konzerte und Touren zu organisieren. Es ist leichter, die Fans über die Bandaktivitäten zu informieren und mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Negativ kann sich die Möglichkeit auswirken, dass jedem für alles eine Plattform geboten wird.

Wie aktiv bist Du/seid Ihr »im Netz«?
Band-Webseite, Facebook, Bandcamp, Newsletter.

Was im Web bringt für Bands und Publikum was?
Facebook, Bandcamp, Internetauftritte von Clubs, Festivals etc.
























SMARTIES

Über welche Medien hörst Du Musik?
Platten, Kassetten, CDs, Radio, Internet.

Aktuelle Entdeckungen?
3rd Ear Experience.

Das muss mit auf Tour
Nichts Spezielles.

Do & Donts in Bands
Donts: Beim Gig besoffen sein, unvorbereitet sein, andere nerven, zu langer Soundcheck.
Dos: Warmspielen vor dem Gig, viel Wasser trinken. Beim Gig Priorität auf die eigene Performance legen, nicht auf die Konzerte der Supportbands, die Aftershowparty oder sonst was.

Sexiest Erlebnis als Musiker
Komplimente für die Musik und den Auftritt bekommen.

Weitere Leidenschaften neben der Musik
Daneben gibt es nichts.


FINALE

Hast Du noch Fragen an mich?
Nö.

Ein Song und ein Video Deiner Band (Link)


www.beehoover.com